Liebe Gottesdienstgemeinde

Sie alle haben sicherlich von der Entscheidung des Papstes gehört, den Vorstoß der großen Mehrheit der deutschen Bischofskonferenz, evangelischen Partnerinnen und Partnern in einer gemischt-konfessionellen Ehe in speziellen Fällen die Teilnahme am Abendmahl, d.h. den Empfang der Kommunion zu gestatten, abzulehnen. Damit wurde den Bedenken einer Minderheit der deutschen Bischöfe, die sich extra nach Rom gewendet hatten, Rechnung getragen.
Für mich persönlich ist diese Entscheidung leider sehr enttäuschend, es wäre ein kleines, ermutigendes Zeichen des Aufbruchs in der katholischen Kirche gewesen. Außerdem ein Symbol dafür, dass es der Institution ernst ist mit der Suche nach einer größeren Einheit der Kirchen. Viele Pfarrer praktizieren ja schon seit langem das, was die Mehrheit der deutschen Bischöfe (darunter auch unser Erzbischof Reinhard Kardinal Marx) nach langer Zeit und vielen Diskussionen nun offiziell gerne erlaubt hätte. Nun bleibt es weiterhin der Gewissensentscheidung des jeweiligen Seelsorgers/der Seelsorgerin überlassen, wie er/sie in dieser Angelegenheit weiter verfährt.
Ich werde auf jeden Fall weiterhin jedem Christen/jeder Christin die Kommunion reichen, denn wer bin ich, dass ich jemandem die Begegnung mit dem Herrn in der Eucharistie verweigern dürfte, der aus eigenem Antrieb und in seiner eigenen Entscheidung zum Tisch des Herrn in der katholischen Kirche tritt?
Ganz abgesehen davon, dass ich ja nicht bei jeder Person, die zum Altar tritt, den Taufschein verlangen kann, um zu sehen, welcher Konfession sie angehört. Und selbst, wenn ich es weiß, werde ich niemanden abweisen, so wie Jesus es im Johannesevangelium gesagt hat: „Alles, was der Vater mir gibt, wird zu mir kommen, und wer zu mir kommt, den werde ich nicht abweisen. “ (Johannesevangelium 6,37). Das Argument, volle Abendmahlgemeinschaft setzt volle Kirchengemeinschaft voraus, ist meiner Meinung nach in diesem Falle zweitrangig gegenüber dem Bedürfnis des/ der evangelischen Christen nach Empfang des Leibes des Herrn, gerade wenn er/ sie in einer Ehe mit einer katholischen Partnerin/ einem katholischen Partner lebt. Ist nicht der Sabbat für den Menschen da und nicht der Mensch für den Sabbat? (Markus 2,28)

Stefan Menzel

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