Besinnliche Adventszeit

Viele von uns wünschen sich eine besinnliche Adventszeit, denn Ruhe und Beschaulichkeit gelten als die Merkmale des Advents. Zugleich machen wir aber eine vollkommen gegensätzliche Erfahrung in diesen Wochen. So vieles ist noch zu erledigen – im Beruf die Arbeiten zum Jahresabschluss und im Privaten die vielen scheinbar unausweichlichen Vorbereitungen für das Weihnachtsfest. Auch der Terminkalender ist spürbar voller als in anderen Monaten des Jahres.
Enttäuschung macht sich breit, die Erfahrung, es wieder nicht mit der Ruhe geschafft zu haben, vielleicht auch gescheitert zu sein oder etwas zu verpassen.

Schaue ich in die biblischen Texte, die für die Wochen des Advents vorgesehen sind, ist dort nirgends die Rede von Ruhe und Besinnlichkeit. Im Gegenteil: Egal, ob beim Propheten Jesaja oder bei Johannes dem Täufer: Es ist die Rede vom Aufbruch, von zu gehenden Wegen, von Wegbereitung. Gott selbst ist in Bewegung: er kommt zur Erde, wird Mensch. Advent heißt „Ankunft“. Sind etwa die rastlosen Menschen dieser Tage die „adventlicheren“ Menschen und die Idylle von Kerzenlicht, Teeduft und Plätzchenbacken ein Trugbild, eine Irreführung?

Ja und nein. Es macht meiner Ansicht nach wenig Sinn, sich in diesen Tagen „Besinnlichkeits-Stress“ und „Vorbereitungs-Stress“ zu machen. Das Kind in der Krippe lädt zum Umdenken ein. Bei ihm sind alle willkommen – die Besinnlichen und die Gestressten, die mit sich Unzufriedenen und die Unfertigen. Gott kommt in diese Welt, wohl wissend, dass ich unaufmerksam bin, mit den Arbeiten nicht fertig, wenig Zeit für ihn habe. Den in einem Stall Geborenen ist Perfektionismus fremd. Also müssen auch mein Advent und mein Weihnachten nicht perfekt sein. So, wie ich bin, bin ich an der Krippe willkommen und darf zur Ruhe kommen.
 
Ihr
Alexander Daniel, PA

Zurück

Hauptmenü