Advent: Gottes Anwesenheit spüren

Mit dem Advent verbinden wir Worte wie: Tür, Warten, Umkehr, Wüste, die zu blühen beginnt oder Lichter, Kerzen, Sterne, grüne Zweige, Avents-märkte, Musik, Lieder.
Wie wäre es, das Wort „Advent“ näher zu betrachten?
Advent heißt nicht Erwartung, wie wir gerne sagen. Es ist die Übersetzung des griechischen Wortes „Parusia“, zu Deutsch „Anwesenheit“. In der Antike war dies der Fachausdruck für die Anwesenheit des Königs oder Kaisers. Die Christen haben dieses Wort, das die Römer mit „Adventus“ übersetzten, übernommen und damit ihren Glauben ausgedrückt, dass Gott in Jesus Christus seine Anwesenheit unter uns begonnen, aber noch nicht vollendet hat. Wir sollen in Glauben, Hoffen und Lieben seine Anwesenheit spüren und sein Licht in der Welt verbreiten. Und dies mitten im Alltag, mit seinen Freuden und Leiden.
Da las ich vor kurzem von einem indischen Jesuiten, der von den Taliban gefangengenommen und Monate lang eingesperrt war. Als er wieder frei kam, erzählte er, wie er die Tortur der Einsamkeit überstanden habe. Jeden Tag habe er sich fünf Gründe überlegt, wofür er heute dankbar sein könnte. Er fand sie beim Nachdenken heraus. So konnte er Gott jeden Tag dafür danken, sich seiner Anwesenheit bewusst werden und die Gefangenschaft meistern. Ein schöner Vorsatz, gerade im Advent so ein inneres Tagebuch zu führen und damit heraus zu finden, wie Gott mir täglich seine Liebe spüren lässt.

Gesegnete Adventstage wünscht Ihnen Ihr
Konrad Seidl

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